Du betrachtest gerade Wis­senshap­pen des Monats: Wann wir essen – spielt die Uhrzeit wirk­lich eine Rolle?

Wis­senshap­pen des Monats: Wann wir essen – spielt die Uhrzeit wirk­lich eine Rolle?

An heißen Som­merta­gen geht es vie­len Men­schen ähn­lich: Während tagsüber eher leichte Kost gefragt ist, meldet sich der Hunger oft erst am Abend, wenn die Tem­per­a­turen angenehmer wer­den. Doch genau dann taucht häu­fig die Frage auf: Sollte man nach 18 Uhr bess­er keine Kohlen­hy­drate oder kein Obst mehr essen?

Die Antwort lautet: So ein­fach ist es nicht.

Lange Zeit galt die Empfehlung, abends möglichst auf Kohlen­hy­drate zu verzicht­en. Heute wis­sen wir aus der Ernährungs­forschung, dass diese pauschale Regel wis­senschaftlich nicht halt­bar ist. Unser Kör­p­er schal­tet nicht um 18 Uhr plöt­zlich in den „Fettspe­ich­er-Modus“. Ob wir zu- oder abnehmen, hängt in erster Lin­ie davon ab, wie unsere Ernährung ins­ge­samt aussieht, wie aktiv wir sind und ob die Energiezu­fuhr langfristig zu unserem Bedarf passt.

Warum spielt die Uhrzeit trotz­dem eine Rolle?

Obwohl die 18-Uhr-Regel ein Mythos ist, beschäfti­gen sich Wis­senschaftler heute inten­siv mit der soge­nan­nten Chrononu­tri­tion – also der Frage, wie der Zeit­punkt unser­er Mahlzeit­en den Stof­fwech­sel beeinflusst.

Unser Kör­p­er fol­gt ein­er inneren Uhr. Viele Stof­fwech­sel­prozesse laufen tagsüber etwas anders ab als nachts. Stu­di­en deuten darauf hin, dass eine regelmäßige Mahlzeit­en­struk­tur und eine eher frühere Verteilung der täglichen Energieauf­nahme den Stof­fwech­sel unter­stützen kön­nen. Wer hinge­gen regelmäßig erst sehr spät große, kalo­rien­re­iche Mahlzeit­en isst – ins­beson­dere kurz vor dem Schlafenge­hen –, kann ungün­stigere Auswirkun­gen auf Blutzuck­er­reg­u­la­tion, Sät­ti­gungs­ge­fühl und Schlaf haben.

Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Aben­dessen um 19 oder 20 Uhr prob­lema­tisch ist – schon gar nicht im Som­mer, wenn der Appetit auf­grund der Hitze häu­fig erst später zurückkehrt.

Entschei­dend ist die Zusam­menset­zung der Mahlzeit

Viel wichtiger als der Blick auf die Uhr ist die Frage: Was kommt auf den Teller?

Eine aus­ge­wo­gene Abendmahlzeit ver­sorgt den Kör­p­er mit wichti­gen Nährstof­fen und hält angenehm satt. Ide­al ist eine Kom­bi­na­tion aus:

🥗 reich­lich Gemüse – beispiel­sweise als Salat oder Ofengemüse,

🫘 ein­er Eiweißquelle – etwa Hülsen­früchte, Fisch, Eier, Tofu oder Magerquark,

🌾 bal­last­stof­fre­ichen Kohlen­hy­drat­en – wie Vol­lko­rn­brot, Kartof­feln oder Naturreis,

🥜 gesun­den Fet­ten – zum Beispiel aus Nüssen, Samen oder hochw­er­tigem Olivenöl.

Auch Obst darf selb­stver­ständlich dazuge­hören, beson­ders in Kom­bi­na­tion mit Eiweiß beispiel­sweise in Quark. Nek­tari­nen, Pfir­siche oder Beeren liefern neben natür­lichem Fruchtzuck­er wertvolle Bal­last­stoffe, Vit­a­mine und sekundäre Pflanzen­stoffe. Es gibt keine wis­senschaftlichen Belege dafür, dass eine Por­tion Obst am Abend eher zu ein­er Gewicht­szu­nahme führt als am Vormittag.

Prak­tis­che Tipps für heiße Sommertage

Wenn Ihnen tagsüber die Hitze auf den Magen schlägt, müssen Sie sich nicht zum Essen zwin­gen. Stattdessen kön­nen Sie Ihre Mahlzeit­en flex­i­bel anpassen:

  • Begin­nen Sie den Tag mit einem leicht­en Früh­stück, zum Beispiel Joghurt mit Hafer­flock­en und Beeren.
  • Trinken Sie über den Tag aus­re­ichend – Durst wird häu­fig mit Hunger verwechselt.
  • Greifen Sie mit­tags zu kleinen, leicht ver­daulichen Mahlzeit­en wie Salat­en, kalten Sup­pen oder ein­er Gemüse-Bowl.
  • Wenn der Hunger erst am Abend kommt, genießen Sie bewusst eine aus­ge­wo­gene Hauptmahlzeit, anstatt den Tag mit vie­len kleinen Snacks oder Süßigkeit­en ausklin­gen zu lassen.
  • Essen Sie langsam und acht­en Sie auf Ihr Sät­ti­gungs­ge­fühl – beson­ders dann, wenn Sie tagsüber nur wenig gegessen haben.

Unser Faz­it

Die Uhrzeit allein entschei­det nicht darüber, ob eine Mahlzeit gesund oder unge­sund ist. Ger­ade im Som­mer ist es völ­lig nor­mal, den größten Appetit erst am Abend zu ver­spüren. Viel wichtiger als starre Regeln ist eine aus­ge­wo­gene Ernährung mit viel Gemüse, hochw­er­ti­gen Eiweißquellen, bal­last­stof­fre­ichen Kohlen­hy­drat­en und saisonalem Obst.

Gesund essen bedeutet nicht, nach der Uhr zu leben – son­dern auf die Bedürfnisse des eige­nen Kör­pers zu hören und ihn täglich mit ein­er vielfälti­gen, nährstof­fre­ichen Ernährung zu versorgen.

Schreibe einen Kommentar